via westberlin
im Maisfeld
… glücklich, wer keine hat
Aus dem Exil (7)
„If man could be crossed with a cat it would improve man, but it would deteriorate the cat.“ Mark Twain, Notebook, 1894
Aus dem Exil (6)
Aus dem Exil (5)
Mitten in der Welt der heiteren Geisteskrankheit kommuniziert der moderne Mensch nicht mehr mit dem Irren. Auf der einen Seite gibt es den Vernunftmenschen, der den Arzt zum Wahnsinn deligiert und dadurch nur eine Beziehung vermittels der abstrakten Universalität der Krankheit zuläßt. Auf der anderen Seite gibt es den wahnsinnigen Menschen, der mit dem anderen nur durch die Vermittlung einer ebenso abstrakten Vernunft kommuniziert, die Ordnung, physischer und moralischer Zwang, anonymer Druck der Gruppe, Konformitätsforderung ist. Es gibt keine gemeinsame Sprache, vielmehr es gibt sie nicht mehr. Die Konstituierung des Wahnsinns als Geisteskrankheit am Ende des achtzehnten Jahrhunderts trifft die Feststellung eines abgebrochenen Dialogs, gibt die Trennung als bereits vollzogen aus und läßt all die unvollkommenen Worte ohne feste Syntax, die ein wenig an Gestammel erinnerten und in denen sich der Austausch zwischen Wahnsinn und Vernunft vollzog, im Vergessen versinken.
Die Sprache der Psychiatrie, die ein Monolog der Vernunft über den Wahnsinn ist, hat sich nur auf einem solchen Schweigen errichten können.
Wahnsinn und Gesellschaft, Michel Foucault
Aus dem Exil (4)
„We discussed everything we knew, during the first fifteen or twenty minutes that morning, and then branched out into the glad, free, boundless realm of the things we were not certain about.“
Mark Twain, A Tramp Abroad
Aus dem Exil (3)
We left Africa 100,000 years ago. The whole of what is usually described as ‚history‘ since the invention of agriculture and cities consists of hardly more than 400 human generations or 10,000 years, a blink of the eye in geological time. Given the dramatic acceleration of the pace of humanity’s control over nature in this brief period, especially in the last ten or twenty generations, the whole of history so far can be seen to be something like an explosion of our species, a sort of bio-social supernova, into an unknown future.
Eric Hobsbawm, Interesting Times
Das Gesetz von Angebot und Nachfrage hatte ihm selbst vor einem knappen Monat plötzlichen Reichtum beschert, der ihn wie ein Funkenregen eingehüllt und vom finanziellen Joch befreit hatte, und auf einmal wurde ihm klar, dass er diese Welt nun verlassen würde, in der er sich nie wirklich zu Hause gefühlt hatte. Seine an sich schon nicht mehr zahlreichen menschlichen Beziehungen würden eine nach der anderen einschlafen, abbrechen, und dann würde sich für ihn das Leben so ähnlich gestalten wie hier in dieser perfekt verarbeiteten Fahrgastzelle seines Audi Allroad A6: friedlich, freudlos und endgültig neutral.
Karte und Gebiet, Michel Houllebecq
… sollte Jed mehrfach die Frage gestellt werden, was es in seinen Augen bedeute, Künstler zu sein. Er fand darauf weder eine interessante noch eine originelle Antwort, bis auf eine Sache, die er infolgedessen bei fast jedem Interview wiederholte: Künstler zu sein bedeutet in seinen Augen, sich zu unterwerfen. Sich rätselhaften, unvorhersehbaren Botschaften zu unterwerfen, die man in Ermangelung eines besseren Begriffs und ohne jeden religiösen Glauben als Intuitionen bezeichnen müsse. Botschaften, die sich dem Künstler trotzdem auf kategorische Weise aufdrängen, ohne ihm die geringste Möglichkeit zu lassen, sich ihnen zu entziehen – außer wenn er auf jegliche Form von Integrität und Selbstachtung verzichtet.
Karte und Gebiet, Michel Houllebecq
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„Ich möchte mal so sagen: ich lag wie ein gestrandeter Wal auf der Seenplatte meines Minusgeldes. Vielleicht auch eher auf dem Ozean meines Geldes von unten. Vielleicht besser: Weltmeere. Also ich lag wie ein gestrandeter Wal, aber vielleicht sollte man eher vom Ozeandampfer oder Flugzeugträger sprechen, aber warum nicht gleich Ölbohrplattform? (…) Also dies wäre mein Zwischenergebnis: Ich lag wie ein gestrandeter Erdteil auf dem Weltmeer meines Minusgeldes. Aber ok. Ansonsten gings mir gut.”
von Peter Licht, via Juliane
Muggendorf
Der Sohn eines hohen Gaddafi-Generals ist ein Kind aus begüterter Familie, kann in Deutschland studieren. Der Vater selbst ist so gut mit dem Machthaber bekannt, dass der den verdienten alten Offizier und seine vier Söhne 2003 zu einer Privataudienz auf seinem Landgut empfängt: allerbeste libysche Gesellschaft. Der General ist ein Mann des Regimes, auch wenn er sich vor Jahren innerlich angewidert abgewendet hat. Sein jüngster Sohn ist einer von denen, die dieses Regime gewaltsam beenden – zehn Tage vor dem 42. Jahrestag der Gaddafi-Herrschaft über das nordafrikanische Wüstenland. Die Erinnerung an Barikis Begegnung mit dem Machthaber 2003 klingt so absurd wie das meiste, was über den libyschen Staatschef bekannt ist: „Er empfing uns in einem roten Adidas-Trainingsanzug. Knallrote Turnschuhe an den Füßen.“
Eric Hobsbawm über seine Autobiographie Interesting Times. A Twentieth-Century Life bei einestages:
einestages: Professor Hobsbawm, Sie wurden 1917 geboren und haben mit Ihrem Leben fast das ganze, verrückte 20. Jahrhundert begleitet. Historiker ihres Alters, haben Sie einmal gesagt, seien Führer in die Vergangenheit. Stellt diese Doppelrolle von Zeitzeuge und Wissenschaftler nicht ein Problem dar, wenn es um die notwendige Distanz geht?
Hobsbawm: Nun ja, es sind eigentlich zwei verschiedene Rollen. Als Zeitzeugen können wir den Leuten erklären, wie es damals ausgesehen hat. Die meisten Menschen in England, zum Beispiel, können sich heute einfach nicht mehr vorstellen, wie das Leben hier noch bis in die fünfziger Jahre war. Etwa, dass die Nationalhymne offiziell nach jeder Kinovorstellung gespielt wurde und die Leute aufgestanden sind. Was? In diesem Sinne kann man den Menschen sagen, ich bin ein Reiseführer in die Geschichte, in ein anderes Land, in dem die Dinge anders gemacht wurden als hier und heute. Andererseits ist es nicht nur möglich, sondern auch notwendig für einen Historiker, diese Erlebnisse zu verarbeiten. Jedenfalls zu dem Zeitpunkt, zu dem er oder sie schreibt. Beim Schreiben meiner Autobiographie „Gefährliche Zeiten“ habe ich sehr viel Vergangenheit sozusagen neu analysieren müssen. Das kann man nie ganz unbefangen tun. Als Historiker hat man Regeln, die es einem ermöglichen, gewissen Dingen mehr oder weniger Gewicht zu geben und eine bestimmte Perspektive auf die Vergangenheit zu haben.
Aus dem Familienphotoalbum von Quaddafi, gefunden vom NYT Lens Blog
G.d.L: Zyniker behaupten ja, dass Raucher viel fürs Gemeinwohl tun: Sie zahlen Milliarden Tabaksteuer und sterben früher.
H.S: Den Gefallen, früher zu sterben, kann ich ihnen nicht mehr tun (Zündet sich die nächste Zigarette an)
Dazu ist es zu spät. (Helmut Schmidt lacht)
aus ‚Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt‘
‚Sollte denn auch in der Verwaltung von etwas Kot sein Leben beschlossen sein? Oder selbst darin, daß er neue Geschlechter zeugt, die dem Geschäft obliegen? Das kann nicht sein, schon seine äußere Bildung ist dafür zu reich, zu wunderbar. Und gar der Ernst, mit dem er ans Werk geht, verrät ein Wissen vor jeder Wissenschaft.‘
E. Jünger, Subtile Jagden
via Zeit online






Avus I / Tribüne
Futuro 13
Das Futuro 13 von Cora Geißler am Spreeufer
100 days of Summer


The Real NYC – 100 days of Summer, Flickr Set von Charles Le Brigand, viaish
„Das Publikum klatscht doch nicht, weil ein Lied besonders gut ist, sondern weil es ein Lied bereits kennt. Es beklatscht sein eigenes Gedächtnis“ Max Goldt
die Geschichte des Mönch Roboters als Radiolab podcast:
via Radiolab.org
Zweifall
„Wer einmal zweifelte, der muß tüchtig weiter zweifeln, wenn er nicht verzweifeln will. Ob jemand im Unendlichen eine Zahl oder ein Zeichen zu erblicken vermag – diese Frage ist der einzige und letzte Prüfstein, an dem sich die Art eines Geistes beantwortet. Aber für jeden ist die Position eine andere, die er gewinnen muss, um zur Entscheidung fähig zu sein. Glücklich ist die Einfalt, die die gegabelten Wege des Zweifalls nicht kennt, doch ein wilderes und männlicheres Glück blüht am Rande der Abgründe.“
E. Jünger, Sizilischer Brief








