das waren noch zeiten …

da die deutschen uns darin hinderten, die sommerfrische wie gewohnt in saint-malo zu verbringen, wichen wir nach quimber in die psychiatrische klinik aus, die dr. mondain damals leitete. er war selbst halbwegs verrückt. als amateurmaler brach er manchmal mitten in der nacht mit seinen farben und seiner staffelei auf, um die natur einzufangen. morgens kehrte […]

überall neandertaler

Man sieht nur, was man anschaut und man schaut nur an, was man schon im Sinn hat. … und ihre Flabben! man brauchte sie nur etwas genauer mustern, und man fühlte sich schon ermordet … ihre Blicke, ihre schrägen Profile …ich darf wohl sagen, ich habe manche Gefängnisse kennengelernt, und solche entarteten erblich Balasteten, jene […]

2017

Diese Welt hat derart an Vulgarität zugenommen, daß die Verachtung des geistigen Menschen die Gewalt einer Leidenschaft gewinnt … Aber ich beging die Unvorsichtigkeit, heute morgen einige öffentliche Blätter zu lesen; plötzlich überfiel mich eine Trägheit, die mit zwanzig Atmosphären auf mir lastete, und ich stocke angesichts der gräßlichen Aussichtslosigkeit, irgendwem irgendwas zu erklären. Baudelaires

norden/celine/kränzlin (Zornhof) 2017

Schloß: Hermann von Leiden (Untergeschoß), Maria-Theresia v. Leiden (Turm Rechts) (von Leiden vielleicht in Realität von Fratz?), Celine, Lili, Bébert (Turm Links), Le Vigan, (im Keller) Gegenüber: Krüppel von Leiden und der ihn tragende Russe, Inge von Leiden plus die Bucklige, deren Vater Bébert die Fische aus der Spree besorgt. Dahinter: Rechts: Schweineställe mit den […]

Hochschule

Was mir jedoch wirklich zuwider war und mich schliesslich veranlasste, am Ende des Semesters mitten in der Nacht aus der Stadt zu fliehen, ohne mich verabschiedet, ja, ohne meine Zensuren abgegeben zu haben, war die Tatsache, das es dort mit Ausnahme Selmas nur eingefleischte Gegner – und Gegnerinnen – des Unerklärlichen gab, alle erfahren in […]

Synchronisation

„Ich glaube, ich bin ein Verb statt eines Personalpronomens“ Richard Ford aus „Der Sportreporter“ Sehr schön! Es ist vielleicht die Erkenntnis, das man nicht ist, sondern nur tut. Diese Vorstellung von einer Möglichkeit erleichtert.

Telefonzellen 1984

Westendstraßen. Vorgärten, hohe Bäume. In der Dämmerung mich von innen in der Telefonzelle spiegeln. Erst angespannt, wartend, den Hörer am Ohr. Und mir dann zusehen, wie ich besessen in den Hörer hineinrede. Durch den Draht, durch die Luft, direkt in die fremden Köpfe hinein. (Kurzeck)

Hauszittern

Die nächste Gasrechnung nicht vor Mitte Januar. Also wenigstens vorerst, sagst du dir, einstweilen weiterhin auf der Welt bleiben! Und bis auf weiteres daran glauben, daß man alles tun kann, was man sich vorgenommen, vergiß das nicht! Und alles, was man nur je sich erträumt, eine schwere Arbeit. Jeden Tag wieder von vorn. Und dazu […]

„Es gibt fast nur Mißstände“, sagt er, „aber man kann sie nicht abschaffen. Die Opposition, die allgemeine Opposition, eine Kennzeichen der Jugend, läßt nach. Die Kräfte verringern sich. Alles konzentriert sich darauf, die Zeit, die man hat, hinter sich zu bringen. Das hat nichts mit Intelligenzgraden zu tun. Im allgemeinen werden die Leute auf niedriger […]

Heiliger Bimbam

… Vom Dach des R.C. bietet sich uns ein Schauspiel, das an Grausamkeit nicht mehr zu übertreffen ist. In den Cafés drängen sich Totalschäden mit knurrendem Magen um die Tische, und lange Speichelfäden hängen ihnen vom Kinn herunter; andere ejakulieren, sobald sie eine Frau sehen. Latahs imitieren mit affenähnlicher Obszönität die Bewegungen der Passanten. Junkies […]

»Man findet Herculaneum unter der Asche wieder; aber einige Jahre verschütten die Sitten einer Gesellschaft besser als aller Staub der Vulkane«. Franz Hessel

Parallelgeschichten

 Das Spiel begann erst jetzt richtig, oder vielleicht war es gar kein Spiel. Vielleicht wollte er der Frau etwas beweisen. Oder mir. Er brüllte. Nicht aus voller Kehle, das kann man nicht sagen, eher aus der Tiefe seines Brustkastens. Als sänge er den einsamen Sang der Selbstvergewisserung. Mal steigerte er die Geschwindigkeit, mal drosselte er […]

Alte Meister ll

Sie lügt, habe ich gedacht, wie die Haushälterin mich darauf aufmerksam gemacht hat, daß ihr meine Frau verschiedene Gegenstände versprochen habe, die Begräbnisbesucher waren noch gar nicht aus dem Friedhof gegangen, ist die Haushälterin schon vor mir gestanden und hat gesagt, meine Frau habe ihr das und das versprochen. Wir nehmen die Menschen immer wieder […]

über die Psychologie der Zeit

„Wie es eine Geometrie im Raum gibt, so gibt es auch eine Psychologie in der Zeit, in der die Berechnungen einer Oberflächenpsychologie nicht mehr stimmen würden, weil man darin die Zeit und eine der Formen, die sie annimmt, nämlich das Vergessen, nicht genügend berücksichtigt hätte – das Vergessen, dessen Macht ich zu spüren begann und […]

Alte Meister I

Lesen Sie, was Sie lieben, aber dringen Sie nicht total ein, hören Sie, was Sie lieben, aber hören Sie es nicht total, schauen Sie, was Sie lieben, aber schauen Sie es nicht total an. Weil ich immer alles total angeschaut haben, immer alles total gehört habe, immer alles total gelesen habe oder wenigstens immer den […]

„Aber was man Erfahrung nennt, ist nur die in unseren Augen zuteil werdende Offenbarung eines unserer Charakterzüge, der ganz natürlich wiedererscheint, und zwar umso nachdrücklicher, als wir ihn schon einmal vor uns selbst ans Licht gezogen haben, so daß die spontane Regung, die uns das erste Mal geleitet hatte, durch alle Suggestionen der Erinnerung auch […]

„Die Bilder, welche die Erinnerung auswählt, sind ebenso willkürlich, ebenso enggefaßt, ebenso ungreifbar wie die, welche die Einbildungskraft gestattet und die Wirklichkeit dann zerschlagen hat. Es besteht kein Grund, weshalb ein wirklicher Ort außerhalb von uns mehr Bilder der Erinnerung als des Traums in sich enthalten soll.“ Marcel Proust, Sodom und Gomorra

Bühnenbild des Lebens

Von Laugier ausgehend, lassen sich Linien ziehen, weniger im ideologischen Sinn als vielmehr unter dem Aspekt der Einmischung, Linien zu L’Enfant, der den großen Plan für Washington entwarf, zu Le Corbusier, Taut, Hilberseimer, Wijdeveld. So sehr sie sich auch in mancherlei Hinsicht unterscheiden, eines haben sie offensichtlich gemein: Sie mischen sich ein. Es geht nicht […]

„Ja, das Leben ist grauenhaft. Wir müssen uns wieder öfter sehen, ma chère amie. Was den Umgang mit Ihnen so angenehm macht, ist, daß Sie nie lustig sind. Wir sollten mal wieder einen Abend zusammen sein.“ Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Aus dem Exil (5)

Mitten in der Welt der heiteren Geisteskrankheit kommuniziert der moderne Mensch nicht mehr mit dem Irren. Auf der einen Seite gibt es den Vernunftmenschen, der den Arzt zum Wahnsinn deligiert und dadurch nur eine Beziehung vermittels der abstrakten Universalität der Krankheit zuläßt. Auf der anderen Seite gibt es den wahnsinnigen Menschen, der mit dem anderen […]