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Literatur Philosophie

Lovecraft (Thread)

Wir befinden uns hier in einem Moment, in dem die extreme Schärfe der sinnlichen Wahrnehmung kurz davor ist, eine Umwälzung der philosophischen Wahrnehmung der Welt aufzulösen, anders gesagt, wir befinden uns hier inmitten der Poesie.

Michel Houellebecq, Gegen die Welt, gegen das Leben … (Weiter in den Kommentaren …)

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Literatur Philosophie weltverschlechterung

Schmierige Affendekadenz

Paul hatte Menschen gekannt, die nicht im Traum daran gedacht hätten, ein einmal gegebenes Wort zurückzunehmen, bei Ihnen war es nicht einmal nötig, auf die Formalität des Versprechens zurückzugreifen. Er war überrascht, dass es solche Menschen noch gab …. Seit ungefähr einem Jahrhundert waren immer mehr Menschen anderer Art aufgetaucht, sie waren spaßig und schmierig, sie besaßen nicht einmal mehr die relative Unschuld von Affen, sie waren beseelt von der höllischen Mission, jedes Band zu zernagen und zu zerfressen, alles, was notwendig und menschlich war, zu zerstören. Leider hatten sie am Ende die breite Öffentlichkeit, die einfachen Menschen erreicht. Unter dem Einfluss von Denkern, die aufzuzählen viel zu langwierig wäre, war das gebildete Publikum schon seit langem für das Prinzip der Dekadenz gewonnen worden, aber das war nicht so schlimm, das entscheidende war die breite Öffentlichkeit, seit den Beatles und vielleicht seit Elvis Presley war sie zum Maßstab für jede Form von Anerkennung geworden, eine Rolle, die die gebildete Klasse, die sowohl auf der ethischen als auch der ästhetischen Ebene versagt und sich außerdem in intellektueller Hinsicht schwer blamiert hatte, nicht mehr auszufüllen in der Lage war. Damit hatte die breite Öffentlichkeit den Status einer universellen Anerkennungsinstanz, deren vorprogrammierte Entwertung, dachte Paul, ein sehr übler Vorgang war, der nur zu einem gewaltsam und traurigen Ende führen konnte.

Houellebecq, Vernichten

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Resterampe

Familie und Ehe waren die beiden verbliebenen Pole, die das Leben der letzten Bewohner des Abendlandes in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts ordneten. Andere Modelle waren von Menschen, denen das Verdienst zu kam, die Abnutzungserscheinungen der traditionellen Modelle vorauszuahnen, vergeblich in Betracht gezogen worden, ohne dass es ihnen jedoch gelungen wäre, neue zu entwickeln, und deren historische Rolle war daher gänzlich negativ gewesen. Die liberale Doxa ignorierte weiterhin beharrlich das Problem, erfüllt von ihrem ebenso unbedingten wie naiven Glauben, das Lockmittel des Profits könne jeden anderen menschlichen Ansporn ersetzen und allein die für die Aufrechterhaltung einer komplexen sozialen Organisation erforderliche geistige Energie hervorbringen.

Houellebecq, Vernichten.

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Allgemein Lebensweisheiten Literatur Philosophie

Organon

Der Behauptung, dass das erkennen Motivation der Materie ist, stellt sich also immer mit gleichem Recht die umgekehrte entgegen, dass alles Materielle nur Modifikation des Erkennens des Subjekt, als Vorstellung desselben, ist. Dennoch ist im Grunde das Ziel und das Ideal aller Naturwissenschaft ein völlig durchgeführter Materialismus. Dass wir nun diesen hier als offenbar unmöglich erkennen, bestätigt eine andere Wahrheit, die aus unserer Fernbetrachtung sich ergeben wird, dass nämlich alle Wissenschaft im eigentlichen Sinne, worunter ich die systematische Erkenntnis am Leitfaden des Satzes vom Grunde verstehe, nie ein letztes Ziel erreichen, noch eine völlig genügende Erklärung geben kann, weil sie das innerste Wesen der Welt nie trifft, nie über die Vorstellung hinaus kann, vielmehr im Grunde nichts weiter, als das Verhältnis einer Vorstellung zu anderen kennen lehrt.

……

Diese Darstellung, auf welche wir gekommen sind, in dem wir den konsequentesten der vom Objekt ausgehenden philosophischen Systeme, dem Materialismus, nach gingen, dient zugleich die untrennbar gegenseitige Abhängigkeit, bei nicht aufzuhebenen Gegensatz, zwischen Subjekt und Objekt anschaulich zu machen; welche Erkenntnis darauf leitet, das innerste Wesen der Welt, das Ding an sich, nicht mehr in einem jener beiden Elemente der Vorstellung, sondern vielmehr in einem von der Vorstellung gänzlich Verschiedenen zu suchen, welches nicht mit einem solchen ursprünglichen, wesentlichen und dabei unauflöslichen Gegensatz behaftet ist

Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung.

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Allgemein Literatur Politik

Freedom

We made them free, yes – free like rats in a dark cellar. Henry Miller, The Air-Coditioned Nightmare

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Allgemein Literatur Philosophie

Welch geistiger Genuss

Denn die höchsten die mannigfaltigsten und die anhaltendsten Genüsse sind die geistigen, wie sehr auch wir, in der Jugend, uns darüber täuschen mögen; diese aber hängen hauptsächlich von der geistigen Kraft ab. Hieraus also ist klar, wie sehr unser Glück abhängt von Dem, was wir sind, von unserer Individualität; während man meistens nur unser Schicksal, nur Das, was wir haben, oder was wir vorstellen, in Anschlag bringt. Das Schicksalaber kann sich bessern: zudem wird man, bei innerem Reichthum, von ihm nicht viel verlangen: hingegen ein Tropf bleibt ein Tropf, ein stumpfer Klotz ein stumpfer Klotz, bis an sein Ende, und wäre er im Paradies und von Huris umgeben. Schopenhauer, Aphorismen zur Lebenweisheit

Dass ein Schwachkopf weniger fähig sein mag, die Schönheit einer Symphonie oder eines subtilen Gedankengangs zu genießen, glaubt man ohne weiteres, im Hinblick auf beispielsweise eine Fellatio hingegen überrascht es; die Erfahrung bestätigt es jedoch. Die Tiefe des Behagens und selbst der sexuellen Lust wurzelt im Verstand und wächst proportional mit seiner Kapazität; unglücklicherweise verhält es sich mit dem Leid genauso. Houellebecq, In Schopenhauers Gegenwart

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Allgemein Literatur

Good news …

God is Love!

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Allgemein Literatur Philosophie

Reform

Folgt man Schopenhauers Argumentation, bestünde die bestmögliche Reform der Kunsthochschulen darin, sie zu schließen. (Gilt auch für die Philosophie)

Hoellebecq, In Schopenhauers Gegenwart

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Allgemein Literatur Philosophie

Künstler Kontemplation

Aber der Ursprung, der Ausgangspunkt jeder Art von Schaffen ist im Grunde etwas anderes: Er besteht in einer angeborenen – und damit nicht lehrbaren – Veranlagung zur passiven und gleichsam gefühllosen Betrachtung der Welt. Der Künstler ist immer einer, der eben so gut gar nichts tun könnte, der allein mit der Versenkung in die Welt und einer damit verbundenen vagen Träumerei zufrieden wäre. Die heutige Massenkunst generiert beträchtliche Finanzströme, was durchaus amüsante Auswirkung hat. Das ambitionierte, aktive und netzwerkende Individuum, das darauf aus ist, in der Kunstszene Karriere zu machen, wird sein Ziel so gut wie nie erreichen. Den Sieg tragen nahezu antriebslose, zum loser geborene Nieten davon.

Houllebecq, In Schopenhauers Gegenwart

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Allgemein Literatur

Standpunkte

Man sollte gelegentlich in Bezug auf die Menschheit den Standpunkt der Bakterien einnehmen; ich wähle ganz bewusst die Bakterien, da es sowohl schädliche als aus nützliche gibt.

Und man sollte sich von einem soweit wie möglich außerhalb gewählten Standpunkt aus gelegentlich fragen, ob die Menschheit eine Erfahrung ist, die fortgesetzt zu werden lohnt; ihre Verdienste und Fehler abwägen und je nach Ergebnis versuchen, Korrekturen vorzunehmen.

Michel Houellebecq, Volksfeinde

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Allgemein Literatur

Maschinenmensch

Und wenn ein Pferd aufhört zu arbeiten und in den Stall geht, so ist doch noch Leben und Lebenskraft da, Atem und Wärme, und die Füße stampfen auf dem Stroh, und die Kiefer zermahlen das Heu, und die Augen und Ohren leben. Eine Wärme von Leben herrscht im Stall, die Hitze und der Geruch von Leben. Aber wenn der Motor eines Traktors stehen bleibt, so ist er Tod wie das Erz, aus dem er gemacht ist. Die Hitze verlässt ihn, wie die Lebenswärme aus einem toten Körper flieht. Dann werden die Wellblechtüren geschlossen und der Traktormann fährt heim in die Stadt, vielleicht 20 Meilen weit, und er braucht Wochen oder Monate lang nicht zurückzukommen, denn der Traktor ist tot. Und das ist einfach und bequem. So einfach, dass das Wunder aus der Arbeit schwindet, so bequem, dass das Wunder aus dem Land und aus seiner Bearbeitung schwindet, und mit dem Wunder das tiefe Verständnis und die Beziehung. Und in dem Traktorfahrer wächst die Verachtung, die nur einen Fremden befällt, der wenig Verständnis und keine Beziehung hat. Denn Nitrate sind nicht das Land, auch Phosphate nicht, und die Länge der Faser in der Baumwollpflanze ist nicht das Land. Kohle ist nicht der Mensch, auch Salz nicht oder Wasser oder Kalk. Er ist alles, aber er ist viel mehr, sehr viel mehr und auch das Land ist mehr als seine Analyse. Der Mensch, der mehr ist als seine Chemikalien, der über die Erde geht, der wegen eines Steines seiner Pflugschar einer Drehung gibt, der die Handgriffe niederdrückt, um die Schollen umzuwerfen, der sich auf die Erde kniet, um sein Vesperbrot zu essen – dieser Mensch, der mehr ist als seine Elemente, weiß, dass auch das Land mehr ist als seine Analyse. Aber der Maschinenmensch, der einen toten Traktor fährt über Land, dass er nicht kennt und nicht liebt, versteht nur Chemie und er ist verächtlich gegen das Land und gegen sich selbst. Wenn die Wellblechtüren geschlossen sind, geht er nach Hause, und sein Zuhause ist nicht das Land.

Früchte des Zorns, Steinbeck

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Literatur

das waren noch zeiten …

da die deutschen uns darin hinderten, die sommerfrische wie gewohnt in saint-malo zu verbringen, wichen wir nach quimber in die psychiatrische klinik aus, die dr. mondain damals leitete. er war selbst halbwegs verrückt. als amateurmaler brach er manchmal mitten in der nacht mit seinen farben und seiner staffelei auf, um die natur einzufangen. morgens kehrte er dann verzückt mit einer vollkommen schwarzen leinwand zurück. seine frau wollte sich ständig aus dem fenster stürzen.

mein leben mit celine von veronique robert mit lucette destouches.

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Literatur

überall neandertaler

Man sieht nur, was man anschaut und man schaut nur an, was man schon im Sinn hat.

… und ihre Flabben! man brauchte sie nur etwas genauer mustern, und man fühlte sich schon ermordet … ihre Blicke, ihre schrägen Profile …ich darf wohl sagen, ich habe manche Gefängnisse kennengelernt, und solche entarteten erblich Balasteten, jene geborenen Zuchthäusler, Lombroso-Typen, wahre Museumsstücke! aber da in diesem Niemandsland gab es solche Kerle, so‘ ne Art Waldläufer, Neandertaler, die ausgesprochene klinische Fälle waren, übrigens in einem gewissen Sinne sehr lehrreich …Eiszeittypen… hätten sie Menschen gefressen, so wäre das gar nicht überraschend gewesen …

(Celine, Von einem Schloss zum andern… ab Seite 205)

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Literatur Medien

2017

Diese Welt hat derart an Vulgarität zugenommen, daß die Verachtung des geistigen Menschen die Gewalt einer Leidenschaft gewinnt … Aber ich beging die Unvorsichtigkeit, heute morgen einige öffentliche Blätter zu lesen; plötzlich überfiel mich eine Trägheit, die mit zwanzig Atmosphären auf mir lastete, und ich stocke angesichts der gräßlichen Aussichtslosigkeit, irgendwem irgendwas zu erklären. Baudelaires

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Fotografie Literatur

norden/celine/kränzlin (Zornhof) 2017

Schloß: Hermann von Leiden (Untergeschoß), Maria-Theresia v. Leiden (Turm Rechts) (von Leiden vielleicht in Realität von Fratz?), Celine, Lili, Bébert (Turm Links), Le Vigan, (im Keller)

Gegenüber: Krüppel von Leiden und der ihn tragende Russe, Inge von Leiden plus die Bucklige, deren Vater Bébert die Fische aus der Spree besorgt.

Dahinter: Rechts: Schweineställe mit den französischen Knechten. Links: Haus der Bibelforscher

Download von mehr Bildern hier.

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Literatur

Hochschule

Was mir jedoch wirklich zuwider war und mich schliesslich veranlasste, am Ende des Semesters mitten in der Nacht aus der Stadt zu fliehen, ohne mich verabschiedet, ja, ohne meine Zensuren abgegeben zu haben, war die Tatsache, das es dort mit Ausnahme Selmas nur eingefleischte Gegner – und Gegnerinnen – des Unerklärlichen gab, alle erfahren in der Kunst des Erklärens, Erläuterns und Zerlegens, und dadurch Förderer der Beständigkeit. Für mich führte das zu schlimmer Hoffnungslosigkeit, und am Ende konnte ich ihre grinsenden, hoffnungsfrohen Lehrergesichter nicht mehr ausstehen. Lehrer, glauben Sie mir, sind geborene Schwindler der gemeinsten Sorte, denn das, was sie vom Leben wollen, ist unmöglich – zeitlose, existenzielle ewige Jugend. Es verpflichtet sie zu schrecklichen Irreführungen und Abweichungen von der Wahrheit. Und die Literatur, da sie nun mal von Dauer ist, dient ihnen als Vehikel.

Richard Ford „Der Sportreporter“.

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Literatur

Synchronisation

„Ich glaube, ich bin ein Verb statt eines Personalpronomens“
Richard Ford aus „Der Sportreporter“

Sehr schön! Es ist vielleicht die Erkenntnis, das man nicht ist, sondern nur tut.
Diese Vorstellung von einer Möglichkeit erleichtert.

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Literatur

Telefonzellen 1984

Westendstraßen. Vorgärten, hohe Bäume. In der Dämmerung mich von innen in der Telefonzelle spiegeln. Erst angespannt, wartend, den Hörer am Ohr. Und mir dann zusehen, wie ich besessen in den Hörer hineinrede. Durch den Draht, durch die Luft, direkt in die fremden Köpfe hinein. (Kurzeck)

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Literatur

Ein Kurzeck

Sich totsaufen, ja das dauert, das braucht Zeit! (Frei nach Kurzeck)

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Literatur

?

Das bin doch ich, der hier sitzt?

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Literatur

Hauszittern

Die nächste Gasrechnung nicht vor Mitte Januar. Also wenigstens vorerst, sagst du dir, einstweilen weiterhin auf der Welt bleiben! Und bis auf weiteres daran glauben, daß man alles tun kann, was man sich vorgenommen, vergiß das nicht! Und alles, was man nur je sich erträumt, eine schwere Arbeit. Jeden Tag wieder von vorn. Und dazu noch zahlreich die Überraschungen. … Hat das Haus schon gezittert? Ganz müd vor lauter Müdigkeit. Peter Kurzeck

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ich weiss nix Lebensweisheiten Literatur

Idiot I

Das Unglück, nicht anders als durch Überlegung und Anstrengung zum neutralen Zustand fähig zu sein. Was ein Idiot ohne weiteres fertig bringt, dazu muss man sich Tag und Nacht strapazieren, um es nur momentweise zu erreichen. Cioran

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Literatur

„Es gibt fast nur Mißstände“, sagt er, „aber man kann sie nicht abschaffen. Die Opposition, die allgemeine Opposition, eine Kennzeichen der Jugend, läßt nach. Die Kräfte verringern sich. Alles konzentriert sich darauf, die Zeit, die man hat, hinter sich zu bringen. Das hat nichts mit Intelligenzgraden zu tun. Im allgemeinen werden die Leute auf niedriger Stufe leichter mit der Umwelt fertig als andere. Nach und nach merkt man: die Welt und die Umwelt sind Mißstände, katastrophale Mißverhältnisse. Im großen und ganzen sind Dummköpfe, die so etwas nicht sehen, selten. Die Mitmenschen? Berufsbezeichnungen, sonst nichts.

Aus Frost von Thomas Bernhard.

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Film Kunst Literatur Medien

Okay, was soll’s, bück dich halt ….

„Meine Tapete und ich fechten gerade ein Duell auf Leben und Tod aus. Einer von uns muss verschwinden“
sz

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Literatur

Heiliger Bimbam

… Vom Dach des R.C. bietet sich uns ein Schauspiel, das an Grausamkeit nicht mehr zu übertreffen ist. In den Cafés drängen sich Totalschäden mit knurrendem Magen um die Tische, und lange Speichelfäden hängen ihnen vom Kinn herunter; andere ejakulieren, sobald sie eine Frau sehen. Latahs imitieren mit affenähnlicher Obszönität die Bewegungen der Passanten. Junkies haben die Drugstores geplündert und fixen sich an jeder Straßenecke … Katatoniker schmücken die Parks mit Girlanden aus …. Hochgradig erregte Schizophrene rennen durch die Straßen und stoßen abgerissene zerquälte Schreie aus. Einige Partiell Rekonditionierte umringen eine homosexuelle Touristengruppe und setzen ein schauerliches wissenden Lächeln auf, hinter dem der nordische Schädel wie eine Doppelbelichtung aussieht.

Was wollen Sie von uns? fragt eine der Tunten pikiert.
Wir wollen euch verstehen …

Ein ganzes Kontinent jaulende Simopathen schwingt sich von Kronleuchtern und Balkonen und scheisst und pisst auf die Passanten herunter. (Ein Simopath – der medizinische Fachausdruck für diese Abnormität ist mir im Moment nicht geläufig – ist ein Zeitgenosse, der überzeugt ist, er sei ein Affe oder affenähnliches Wesen. Es handelt sich hier um eine Verhaltensstörung, die besonders in der Armee auftritt, durch Entlassung aber leicht zu beheben ist.) Amokläufer mit einem entrücktem träumerischen Lächeln im Gesicht machen die Runde und säbeln Köpfe ab … Bürger mit beginnender Bang-utot versuchen verzweifelt ihre Erektion zu bändigen und rufen die Touristen um Hilfe … Wildgewordene Araber werfen sich mit Gebrüll und Gejohle auf die Leute, kastrieren sie, schlitzen ihnen den Bauch auf, übergießen sie mit Benzin und zünden sie an … Nachtklubtänzer im Knabenalter behängen sich mit Eingeweiden und machen damit Striptease, Frauen stecken sich abgehackte Penisse in die Möse und rücken breitbeinig und mit dem Unterleib stoßend dem Mann ihrer Wahl auf den Leib … religiöse Fanatiker kreisen in Hubschraubern über dem Volk, halten ihm Strafpredigten und bombardieren es mit Steintafeln, in die sinnlose Sprüche eingemeißelt sind …

Nacked Lunch / William S. Burroughs

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Kunst Lebensweisheiten Literatur
„Kunst ist die edelste Form der Arbeitslosigkeit.“
Thomas Kapielski
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Hätten sie es gewusst? ich weiss nix Literatur

Hauptsache es knallt

„Die Drogenszene. Ein Vorpostengefecht mit enormen Verlusten; hier fehlt ein Clausewitz.“ Ernst Jünger

der Freitag, Ernst Jünger und die Drogen

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Literatur

»Man findet Herculaneum unter der Asche wieder; aber einige Jahre verschütten die Sitten einer Gesellschaft besser als aller Staub der Vulkane«.
Franz Hessel

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Hätten sie es gewusst? ich weiss nix Literatur

„Le bonheur se raconte mal.“
H-P. Roché

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Literatur

Parallelgeschichten

 Das Spiel begann erst jetzt richtig, oder vielleicht war es gar kein Spiel.
Vielleicht wollte er der Frau etwas beweisen. Oder mir. Er brüllte. Nicht aus voller Kehle, das kann man nicht sagen, eher aus der Tiefe seines Brustkastens. Als sänge er den einsamen Sang der Selbstvergewisserung. Mal steigerte er die Geschwindigkeit, mal drosselte er sie genauso plötzlich, es warf uns vor und zurück. Er ließ das Steuer lange los, dann wieder stemmte er beide Arme dagegen und riss es hin und her, ließ den Wagen zwischen den Gehsteigen tanzen. Es war nicht vorauszusehen, wie viel das alte Gerät, vielleicht ein Adler, noch vertragen würde. Die ganze Zeit drückte er rhythmisch auf die Hupe. Ich wusste nicht, wollte er mit diesem Amoklauf seine Frau auf die Probe stellen, war es eine mir zugedachte Demonstration oder rächte er sich an den hinter uns zurückgelassenen und sicher verblüfften Polizisten für das ewige Gefühl der Bedrohung; zeigte er ihnen ganz einfach den Finger.
In jenen Jahren tat man so etwas nicht.
Es war sonst schon gefährlich genug.

Leseprobe zu Peter Nadas: Parallelgeschichten, perlentaucher.de