Es zisselt

Viele Möglichkeiten gibt es nicht dem Prekariat zu entkommen. Mir hat das Schicksal gnädigerweise den Weg in den Asbestbunker gewiesen. Dort hört man sie nur aus der Ferne. Es klingt wie eine Invasion von Irren, geremixt mit Hits aus den 70ern, 80ern, 90ern und den besten von heute. Die werden allerdings nur so kurz angespielt, dass die verklärten Frauenblicke gerade noch die vorgestellten Gesichtsejakulationen der besten Freunde ihrer Freunde wahrnehmen, aber nicht reagieren können. Keine Ahnung was passiert, wenn der FFH-Idiot nicht alle 30 Sekunden einen neuen Titel anspielt. Wahrscheinlich würde die Prekariatspopulation die Arbeitslosenquote von morgen manipulieren. Das wäre das bloße Leben!

„Ein schönes Gesicht ist vielleicht der einzige Ort, wo wahrhaft Stille ist. Während der Charakter durch ungesagte Worte und unverwirklicht gebliebene Absichten in das Gesicht Spuren eingräbt, während ein Tier immer so blickt, als wolle ihm eben ein Wort entfahren, öffnet die menschliche Schönheit das Antlitz dem Schweigen. Aber das Schweigen, das hier statthat, ist nicht nur Aussetzung der Rede, sondern Schweigen des Wortes selbst, Sichtbarwerden des Wortes: Idee der Sprache. Darum ist das Schweigen des Gesichts wahrhaft die Heimat des Menschen.“ Giorgio Agamben

7 Antworten auf &‌#8222;Es zisselt&‌#8220;

  1. Wo sich die wirkliche Welt in ein Bild verwandelt hat, und die Bilder wirklich geworden sind, löst sich die praktische Potenz des Menschen von sich selbst ab und erscheint als eine Welt für sich. In Gestalt dieser abgetrennten und von den Medien geordneten Welt, in der sich die Formen des Staates und die der Ökonomie durchdringen, erlangt die Marktwirtschaft ihren Status absoluter und von jeglicher Verantwortung entbundener Souveränität über das gesamte gesellschaftliche Leben. Nachdem es (das Spektakel, d.R.) die Produktion insgesamt pervertiert hat, kann es nun die kollektive Wahrnehmung manipulieren und sich des kollektiven Gedächtnisses bemächtigen, um sie in einen einzigen spektakulären Markt zu verwandeln, auf dem alles zur Disposition steht, außer dem Spektakel selbst, das an sich nichts anderes sagt als: ‚Was erscheint, ist gut, was gut ist, erscheint…

  2. Haben wir (blogger) denn nur eine quelle? Das ist ein wirklich treffendes zitat, das ich mir extra gespeichert hatte. Eigentlich wollte ich es auch noch zitieren, aber warum, wir arbeiten ja hier auf der flaeche hand in hand. :) Also Danke!

  3. komisch. im asbestbau hört man sie aus der ferne und hier oben im vorderen weste, wenn man sich gerade bei geöffnetem fenster seine zigarre ansteckt und der congnac sich ruhig im glase neigt, nachdem ich sie schon 5 stunden am stück, kunstwerk-bewachenderweise durch die platikwände das aue-pavillions ertrug, sind sie immer noch nicht weit genug weg.

  4. nun beruhigt euch mal!!
    der zissel und die strandbar sind quasi mittelalter und postmoderne, was wollt ihr denn noch mehr. und was das prekariat angeht, seid ihr sowieso die ersten, die zum nulltarif durchgereicht werden, habt euch mal nicht so. in waldau rollen die bässe immer gut aus.

  5. der zissel hat mich hinterlistig ausgebremst, was schlimm aber mit geschlossenem fenster ertragbar war: der west power tower, der glücklicherweise eine sperrstunde hatte und eher eine mittelstarke beeinflussung auf mein abendliches balkonsitzen verursachte.

    doch sonntag mittag, dachte ich:“was ist denn hier los?!“ da starten die doch tatsächlich den zisselumzug direkt vor meiner haustür… von 11.30 uhr bis 13.00 hatte die gefährliche mischung aus karneval, loveparade und csd in eine riesige a-pres-ski-party mit zu vielen djs gleichzeitig gebraucht, um sich und die anwohner in stimmung zu bringen – hölle, hölle, hölle – ein schallwellensalat 2er guten-morgen-radio-moderatoren-party-djs, die auch gut die tickets und party am autoscooter hätten ‚moderieren‘ können brachten mich um den verstand. mit den klängen von cotton-eye-joe und dj bobo verschwand der zug. gerade noch rechtzeitig, den strick habe ich bis nächstes jahr in die schublade zurück gelegt.

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