Maschinenmensch

Und wenn ein Pferd aufhört zu arbeiten und in den Stall geht, so ist doch noch Leben und Lebenskraft da, Atem und Wärme, und die Füße stampfen auf dem Stroh, und die Kiefer zermahlen das Heu, und die Augen und Ohren leben. Eine Wärme von Leben herrscht im Stall, die Hitze und der Geruch von Leben. Aber wenn der Motor eines Traktors stehen bleibt, so ist er Tod wie das Erz, aus dem er gemacht ist. Die Hitze verlässt ihn, wie die Lebenswärme aus einem toten Körper flieht. Dann werden die Wellblechtüren geschlossen und der Traktormann fährt heim in die Stadt, vielleicht 20 Meilen weit, und er braucht Wochen oder Monate lang nicht zurückzukommen, denn der Traktor ist tot. Und das ist einfach und bequem. So einfach, dass das Wunder aus der Arbeit schwindet, so bequem, dass das Wunder aus dem Land und aus seiner Bearbeitung schwindet, und mit dem Wunder das tiefe Verständnis und die Beziehung. Und in dem Traktorfahrer wächst die Verachtung, die nur einen Fremden befällt, der wenig Verständnis und keine Beziehung hat. Denn Nitrate sind nicht das Land, auch Phosphate nicht, und die Länge der Faser in der Baumwollpflanze ist nicht das Land. Kohle ist nicht der Mensch, auch Salz nicht oder Wasser oder Kalk. Er ist alles, aber er ist viel mehr, sehr viel mehr und auch das Land ist mehr als seine Analyse. Der Mensch, der mehr ist als seine Chemikalien, der über die Erde geht, der wegen eines Steines seiner Pflugschar einer Drehung gibt, der die Handgriffe niederdrückt, um die Schollen umzuwerfen, der sich auf die Erde kniet, um sein Vesperbrot zu essen – dieser Mensch, der mehr ist als seine Elemente, weiß, dass auch das Land mehr ist als seine Analyse. Aber der Maschinenmensch, der einen toten Traktor fährt über Land, dass er nicht kennt und nicht liebt, versteht nur Chemie und er ist verächtlich gegen das Land und gegen sich selbst. Wenn die Wellblechtüren geschlossen sind, geht er nach Hause, und sein Zuhause ist nicht das Land.

Früchte des Zorns, Steinbeck