Die von Gestern

Wirklich schlimm sind diese alten Säcke, die der Jugend immer vorwerfen, keine Revolution anzustiften. Erst am Wochenende musste ich wieder ein Diskussionspodium erleben, bei dem ein verbeamteter Altachtundsechziger (Moderator) den Tenor der Podiumteilnehmer ungefähr wie folgt zusammenfasste: Die documenta ist ruhig, die Gäste sind ruhig, die Kritiker sind ruhig, lassen wir sie daher auch ruhig zu Ende gehen. Als wir damals nur das Wort documenta aussprachen, war das Geschreie gross!

Ja wer hat den da geschrien? Die Spießer! Gegen wen haben die alten Säcke damals gekämpft? Die Spießer! Und wer soll heute schreien? Wieder die Spießer?

Kunst ist populär, dafür sein ist populär, dagegen sein ist populär. Da mag doch keiner was gegen sagen, den irgendwie wollen wir doch auch dazu gehören. Wozu überhaupt? Egal! Wer hat die Gegenkultur dorthin gebracht? Wer hat sie vermarktet und ist daran fett geworden? Die Gegenkultur selbst. Lassen wir also die alten Säcke von achtundsechszig genauso der alten Zeit hinterher trauern, wie es ihre Vorgänger von fünfundvierzig taten und wenden wir uns der Zukunft zu.