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psychometrie (auch psychografie)

… die scheisse dampft für alle. bitte schön.

Euroaffe said,

Dezember 6, 2016 @ 14:34

Internet
Mathias Müller von Blumencron greift im faz.net einige Artikel aus amerikanischen Zeitung und dem Schweizer Wochenblatt Das Magazin auf, die zeigen, dass Donald Trump eine ausgefuchste Strategie für soziale Medien hatte und spezialisierte Agenturen einsetzte. Eine treibende Kraft war offenbar Trumps Schwiegersohn Jared Kushner: „Während die Welt noch über den Einfluss von ‚Fake News‘ auf das Wahlergebnis debattiert, wird offenbar, dass Kushner eine ganz andere Dimension der neuen Netzwelt erschlossen hat. ‚Ich habe einige meiner Freunde aus dem Silicon Valley angerufen, die besten Vermarkter der Welt, und gefragt, wie wir unsere Sache besser skalieren können‘, verriet Kushner dem amerikanischen Magazin Forbes, dessen Journalisten als einzige mit dem öffentlichkeitsscheuen Multi-Millionär sprechen konnten, ‚und sie haben mir ihre Dienstleister verraten.'“

Blumencron bezieht sich vor allem auf Mikael Krogerus‘ und Hannes Grasseggers Magazin-Reportage über Cambridge Analytica, ein auf Online-Wahlkampfstrategien spezialisiertes Unternehmen, das eigener Aussage nach mittels Audience und Mikro-Targeting nicht nur den Brexit, sondern auch Trump herbeigezaubert haben will. Die Grundlage dafür bildet das psychometrische Verfahren des Psychologen Michal Kosinski, der über den Missbrauch seines Analysemittels zur Erstellung hochauflösender Persönlichkeitsprofile anhand weniger Paramenter wenig begeistert ist. Die Kreuzung von frei zugänglichen Datensätzen mit Facebook-Feinkalibrierungen gestatte es Cambridge Analytica, das Wahlverhalten sehr gezielt zu beeinflussen: „Die Feinkörnigkeit der Anpassung geht hinunter bis zu Kleinstgruppen, erklärt Nix im Gespräch mit dem Magazin. ‚Wir können Dörfer oder Häuserblocks gezielt erreichen. Sogar Einzelpersonen.‘ In Miamis Stadtteil Little Haiti versorgte Cambridge Analytica Einwohner mit Nachrichten über das Versagen der Clinton-Stiftung nach dem Erdbeben in Haiti – um sie davon abzuhalten, Clinton zu wählen. Das ist eines der Ziele: potenzielle Clinton-Wähler – hierzu gehören zweifelnde Linke, Afroamerikaner, junge Frauen – von der Urne fernzuhalten, ihre Wahl zu ‚unterdrücken‘, wie ein Trump-Mitarbeiter erzählt. In sogenannten dark posts, das sind gekaufte Facebook-Inserate in der Timeline, die nur User mit passendem Profil sehen können, werden zum Beispiel Afroamerikanern Videos zugespielt, in denen Hillary Clinton schwarze Männer als Raubtiere bezeichnet.“

Die Reportage rieche allerdings sehr danach, als seien die Autoren dem Nervenkitzel der Story und der auftrumpfenden Eigenwerbung von Cambridge Analytica auf den Leim gegangen, meinen viele Kommentatoren im Netz. Die einzigen Belege für diese Erfolgsgeschichte stammen nämlich von dem Datenunternehmen selbst, merkt Dennis Horn im Digitalistan-Blog des WDR kritisch zum journalistischen Handwerk an. Bereits im August berichtete Issie Lapowsky in Wired, dass Cambridge Analytica die eigene Rolle in der Brexit-Erfolgsgeschichte viel zu sehr aufblase. Auch Berater Jens Scholz hält die Debatte für viel zu schrill: Das psychometrische Verfahren ist seit längerem bekannt – zur tatsächlichen Manipulation sei es aber nicht in der Lage. Facebook bilde zwar „eine Echokammer“, doch diese bestärke nur vorgefasste Meinung. „Wie kommen Menschen immer wieder auf die irgendwie religiös mathematikhörige Idee, dass man menschliches Verhalten derart leicht kategorisieren, vorhersagen und dann sogar steuern könnte? Selbst auf dem Finanzmarkt, der viel mathematischer und in weniger Dimensionen funktioniert hat man bewiesen, dass eine egal mit wie vielen Daten unterfütterte Vorhersage kein bisschen genauer ist, als eine Vorhersage, die auf reinen Zufallszahlen basiert.“ Ähnlich sieht das auch Meike Laaff in der taz.

Stefan Winterbauer von Meedia sieht in dem Hype um den Magazin-Artikel eine „linke Verschwörungstheorie“ am Werk: Erstaunlich findet er es, „dass sehr viele Menschen, die sich eigentlich dem gebildeten und aufgeklärten Milieu zurechnen, ohne weiteres Hinterfragen bereit sind, teils abenteuerliche Thesen zu verbreiten, weil sie trefflich ins eigene Weltbild passen.“ Für Fabian Reinhold von SpOn liegt der hohe Anreiz, die Geschichte in den sozialen Netzwerken aufgeregt zu teilen, denn auch darin begründet, dass hier endlich eine einfache Erklärung für ein komplexes Phänomen vorliegt.

Außerdem: Rainer Stadler kritisiert in der NZZ die EU-Digitalcharta als überflüssig. Andrian Kreye berichtet in der SZ vom Schirrmacher-Symposium, auf dem zum Teil etwas verzweifelt über Demokratie und digitale Grundrechte diskutiert wurde: „Es gibt eine neue Dringlichkeit.“

Euroaffe said,

Dezember 6, 2016 @ 14:48

copypaste von perlentaucher, debattenrundschau vom tage. nur zur ergänzung.
ich bin ja so blöd, aber nicht so blöd wie die tussi die heute wieder die haubentaucher(!) und
die nilgänse mit wg-abfällen füttert. ansonsten ist die fuldaaue heute den 2,tag zugefroren, was gegenüber dem
schlossteich wilhelmshöhe selten vorkommt. ich hab für die krähen ein paar nüsse platt gefahren.
keine kriegsgefangenen in sicht, zu kalt.

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