Information ist entfremdete Erfahrung

„… Wenn man wissen will, worum sich eine Gesellschaft oder eine Ideologie wirklich dreht, sollte man der Spur des Geldes folgen. Wenn das Geld in die Werbung fließt und nicht zu Musikern, Journalisten und Künstlern, dann befasst sich eine Gesellschaft mehr mit Manipulation als mit Wahrheit oder Schönheit. Wenn Inhalte wertlos sind, dann werden die Menschen irgendwann hohlköpfig und inhaltslos. …

…Unter dem Strich produzierte die Blogosphäre leeres Gerede, wie es in den heute hochgejubelten flachen und offenen Systemen eigentlich immer geschieht. …

… Wenn irgendeine kostenlose Videoaufnahme von einem albernen Kunststückchen genauso viele Blicke auf sich zieht wie die Arbeit eines professionellen Filmemachers, warum dann den Filmemacher bezahlen? Wenn ein Algorithmus all diese Blicke mit dem gerade angesagten Videoclip zusammenbringen kann, warum dann Redakteure und Theaterleiter bezahlen? In der neuen Ordnung der Dinge zählt nur das Wo. Wer die Rechnerwolke beherrscht, die die Gedanken des Schwarmgeistes steuert, kann unermesslich reich werden. …

… Währenddessen gleichen die wirklich kreativen Menschen, die neuen Proleten, Tieren, die in einer ausgelaugten Wüste alle an den gleichen schrumpfenden Oasen der alten Medien zusammenkommen. …“

Die Mainstreammedien unternehmen gerade einen Feldzug gegen die Internetkultur. Das liegt daran, dass sie nach dem überraschenden politischen Einfluss der Internetgemeinschaft im Sommer eine Gefahr für sich und ihr Klientel wahrnehmen.

Jaron Lanier / Artikel / Interview