{"id":588,"date":"2006-10-13T15:39:54","date_gmt":"2006-10-13T14:39:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bewegteflaeche.de\/?p=588"},"modified":"2007-11-18T20:23:17","modified_gmt":"2007-11-18T19:23:17","slug":"generation-sucks","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bewegteflaeche.de\/?p=588","title":{"rendered":"generation sucks"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich schon seit letzter Woche Montag dr\u00fcber schreiben, aber man kommt ja zu nichts. Am Abend vorher war ich n\u00e4mlich in einer Kneipe. Ach sag blo\u00df, werdet ihr jetzt sagen, nee echt war so. Da ich mit einem Freund l\u00e4nger an der Theke verweilte, durften wir uns irgendwann ganz alleine mit der Thekenkraft unterhalten. Eine Frau im besten Alter, mit einem abgeschlossenem Studium und dem Willen, jetzt endlich mal auf eigenen F\u00fc\u00dfen zu stehen.  <\/p>\n<p>Kanpp drei\u00dfig ist sie, seit zwei Jahren mit dem Studium fertig und hat wirklich keinen Bock mehr in der Kneipe zu arbeiten. Ihre F\u00e4higkeiten sind gut, flexibel und weitreichend, umziehen w\u00e4re auch kein Problem, aber alles \u00fcberhalb eines Praktika ist nicht zu haben und davon hat sie verdammt die Schnauze voll, denn das macht sie schon zum Xten mal.<\/p>\n<p>Zurzeit arbeitet sie bei einer kulturellen Organisation vierzig Stunden und mehr in der Woche. Weil der Druck unheimlich hoch ist, traut sie sich abends kaum den Saftladen zu verlassen. Das muss sie aber, denn nach mindestens acht Stunden geht&#8217;s noch schnell in die Kneipe, damit sie irgendwie ihre Miete und Essen bezahlen kann. Denn f\u00fcr ihr Praktikum bekommt sie im Monat 200 Euro.<\/p>\n<p>Da f\u00e4llt mir nur noch eins ein: Scheisse!<\/p>\n<p>Jetzt sagt ihr nat\u00fcrlich, was regt der sich so auf. Das ist doch v\u00f6llig normal heutzutage. Und vielleicht noch: Mach dich mal locker.<\/p>\n<p>Da sag ich nur: Scheisse!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Was sind wir f\u00fcr eine Generation, die sich von \u00e4lteren Generationen ausnehmen l\u00e4sst, w\u00e4hrend wir nur Leben k\u00f6nnen, weil Mama und Papa  (u.a. die gleiche Generation die uns ausnimmt) uns mit Almosen und Taschengeld \u00fcber Wasser h\u00e4lt. Na ja, unsere Eltern sind ja nicht mehr nur unsere Eltern, sondern unsere Freunde und von Freunden kann man sich ruhig auch mal aushalten lassen, oder wie? <\/p>\n<p>Gut vorstellen k\u00f6nnte ich mir den Betreiber einer Kino- und Kulturorganisation, so etwa 45 Jahre alt, finanziell gut gestellt, der seinem Praktikanten 200 Euro bezahlt und wenn er zu Hause von seinem Sohn angepumpt wird, dieser dann zu h\u00f6ren bekommt, er solle doch jetzt endlich mal auf eigenen F\u00fc\u00dfen stehen.<\/p>\n<p>Eine Generation, die sich nicht selbst ern\u00e4hren und somit nicht erhalten kann, verliert im Prinzip die Existenzberechtigung. Zum Gl\u00fcck haben wir ein subsoziales Netz von Eltern oder sogar Grosseltern auf deren Verdienste wir uns ganz cool ausruhen k\u00f6nnen. Was w\u00e4ren wir wohl ohne sie? Penner ist die richtige Formulierung, denn eigentlich lassen wir uns aushalten und ob das nun <a href=\"http:\/\/www.mercedes-bunz.de\/index.php\/texte\/urbaner-penner\/\">urban<\/a> oder nicht urban geschieht, es handelt sich doch schlicht und ergreifend um Penner. Oder man h\u00e4ngt nach einem 8-10 Stundentag noch einen Thekendienst dran, was eher an ein Sklavendasein erinnert. Wir sorgen mit unseren ausgebildeten F\u00e4higkeiten nicht f\u00fcr unseren Unterhalt, dazu sind wir anscheinend nicht selbstbewusst genug. <\/p>\n<p>Ich geh\u00f6re selber zu der Generation Praktikum und ich wei\u00df, dass die Planung der eigenen Zukunft immer schwieriger wird und es m\u00fchsam ist, langfristig eine berufliche Perspektive zu finden. Jedenfalls ist ein Job der ohne Bezahlung (oder fast ohne) angeboten wird, auch kurzfristig keine L\u00f6sung. Letztlich liegt es aber nur an uns selbst. Warum nehmen wir immer wieder solche Stellen an? Lasst sie doch die Praktika ausschreiben und anbieten. Solange keiner die Knechtschaft antritt, m\u00fcssen sie ihren Schei\u00df halt selbst erledigen. Um das abzulehnen, reicht ein \u2039Nein Danke, ich muss meinen Lebensunterhalt verdienen\u203a.  Jedenfalls verreckt keiner, wenn er so ein Praktikum nicht annimmt, denn davon kann man sowieso nicht leben. Die Aussichten auf Weiterbesch\u00e4ftigung, oder nur Weiterbildung mit der immer gek\u00f6dert wird, h\u00e4lt sich meistens in Grenzen bzw. ist nicht selten der reinste Fopp. <\/p>\n<p>Das ganze Thema wurde bei mir wieder durch eine weitergeleitete Mail von Hauke hochgeschaukelt, der sich seinerseits die letzten Tage \u00fcber ein digitales Stellenangebot via \u00f6ffentliche Mailingliste der Udk, Berlin mokiert hat. Da ich niemanden an einer gro\u00dfen Karriere hindern m\u00f6chte, h\u00e4nge ich die Stellenausschreibung an.<\/p>\n<p>Hallo,<\/p>\n<p>ab dem 01. November 2006 hat die Redaktion des DEUTSCH Magazines \/ ART BERLIN Verlag eine Praktikumsstelle im Bereich Grafik\/Print zu vergeben.<\/p>\n<p>Voraussetzungen:<\/p>\n<p>&#8211; Dauer mindestens 3 Monate<br \/>\n&#8211; sicherer Umgang mit dem MAC und den g\u00e4ngigen Programmen (Quark, InDesign, Photoshop, Illustrator, Office)<br \/>\n&#8211; Erfahrungen im Printbereich \/ Erstellung druckfertiger Daten von Vorteil<br \/>\n&#8211; Motivation<br \/>\n&#8211; F\u00e4higkeit schnell und sicher unter Termindruck zu arbeiten<br \/>\n&#8211; Freude am Gestalten und dem Entwerfen neuer Projekte<br \/>\n&#8211; F\u00e4higkeit sich gut in ein junges, kreatives Team zu integrieren <\/p>\n<p>Praktikumsdetails:<\/p>\n<p>&#8211; grafische Bearbeitung &#038; Betreuung verschiedener Projekte des ART BERLIN Verlags<br \/>\n&#8211; Erstellung von Flyern, Einladungen, Umsetzung von Konzepten &#8230;<br \/>\n&#8211; Mitarbeit am DEUTSCH Magazine<br \/>\n&#8211; Arbeitszeit Montag-Freitag 10-19h ( ist jedoch flexibel \/ individuell zu kl\u00e4ren)<br \/>\n&#8211; keine Verg\u00fctung<\/p>\n<p>Bei weiteren Fragen oder einfach direkt eine kurze PDF-Bewerbung mit Foto und einer \u00dcbersicht bisheriger Arbeiten\/Projekte bitte an:<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Interesse und Zusendung der Bewerbungen!<\/p>\n<p>P.S. Die Zukunft unserer Generation sehe ich dann schon eher wie <a href=\"http:\/\/www.morgenpost.de\/content\/2006\/10\/08\/biz\/858431.html\n\">Holm Friebe und Sascha Lobo<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich schon seit letzter Woche Montag dr\u00fcber schreiben, aber man kommt ja zu nichts. Am Abend vorher war ich n\u00e4mlich in einer Kneipe. Ach sag blo\u00df, werdet ihr jetzt sagen, nee echt war so. 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