{"id":1187,"date":"2007-08-13T14:56:21","date_gmt":"2007-08-13T13:56:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bewegteflaeche.de\/?p=1187"},"modified":"2007-08-13T14:56:21","modified_gmt":"2007-08-13T13:56:21","slug":"fruherer-documenta-macher","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bewegteflaeche.de\/?p=1187","title":{"rendered":"fr\u00fcherer documenta-macher"},"content":{"rendered":"<p>Die 27. Historie sagt, wie Eulenspiegel f\u00fcr den Landgrafen von Hessen malte und ihm weismachte, wer unehelich sei, k\u00f6nne das Bild nicht sehen. <\/p>\n<p>Abenteuerliche Dinge trieb Eulenspiegel im Lande Hessen. Nachdem er das Land Sachsen um und um durchzogen hatte und dort so gut bekannt war, da\u00df er sich mit seinen Streichen nicht mehr ern\u00e4hren konnte, begab er sich in das Land Hessen und kam nach Marburg an des Landgrafen Hof. Und der Herr fragte ihn, was er f\u00fcr ein Abenteurer sei. Er antwortete: \u00bbGn\u00e4diger Herr, ich bin ein K\u00fcnstler.\u00ab Dar\u00fcber freute sich der Landgraf, weil er meinte, Eulenspiegel sei ein Artist und verst\u00fcnde die Alchimie. Denn der Landgraf bem\u00fchte sich sehr um die Alchimie. Also fragte er ihn, ob er ein Alchimist sei. Eulenspiegel sprach: \u00bbGn\u00e4diger Herr, nein. Ich bin ein Maler, desgleichen in vielen Landen nicht gefunden wird, da meine Arbeit andere Arbeiten weit \u00fcbertrifft.\u00ab Der Landgraf sagte: \u00bbLa\u00df uns etwas davon sehen!\u00ab Eulenspiegel sprach: \u00bbJa, gn\u00e4diger Herr.\u00ab Und er hatte etliche auf Leinen gemalte Bilder, die er in Flandern gekauft hatte; die zog er hervor aus seinem Sack und zeigte sie dem Landgrafen. Sie gefielen dem Herrn gar wohl, und er sprach zu ihm: \u00bbLieber Meister, was wollt Ihr nehmen, wenn Ihr uns unsern Saal ausmalt mit Bildern von der Herkunft der Landgrafen von Hessen? Und wie sie befreundet waren mit dem K\u00f6nig von Ungarn und anderen F\u00fcrsten und Herren, und wie lange das bestanden hat? Und wollt Ihr uns das auf das allerk\u00f6stlichste machen, so gut Ihr es immer k\u00f6nnt?\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbGn\u00e4diger Herr, wie mir Euer Gnaden das aufgibt, wird es wohl vierhundert Gulden kosten.\u00ab Der Landgraf sprach: \u00bbMeister, macht uns das nur gut! Wir wollen es Euch wohl belohnen und Euch ein gutes Geschenk dazu geben.\u00ab<\/p>\n<p>Eulenspiegel nahm den Auftrag also an. Doch mu\u00dfte ihm der Landgraf hundert Gulden Vorschu\u00df geben, damit er Farben kaufen und Gesellen einstellen konnte. Als Eulenspiegel mit drei Gesellen die Arbeit anfangen wollte, bedingte er sich vom Landgrafen aus, da\u00df niemand in den Saal gehen d\u00fcrfe, w\u00e4hrend er arbeite, als allein seine Gesellen, damit er in seiner Kunst nicht aufgehalten w\u00fcrde. Das bewilligte ihm der Landgraf.<\/p>\n<p>Nun wurde Eulenspiegel mit seinen Gesellen einig und vereinbarte mit ihnen, da\u00df sie schwiegen und ihn gew\u00e4hren lie\u00dfen. Sie brauchten nicht zu arbeiten und sollten dennoch ihren Lohn haben. Ihre gr\u00f6\u00dfte Arbeit sollte im Brett- und Schachspiel bestehen. Darin willigten die Gesellen ein und waren es zufrieden, da\u00df sie mit M\u00fc\u00dfiggehen gleichwohl Lohn verdienen sollten.<\/p>\n<p>Es w\u00e4hrte ungef\u00e4hr vier Wochen, bis der Landgraf zu wissen verlangte, was der Meister mit seinen Kumpanen malte und ob es so gut werden w\u00fcrde wie die Proben. Und er sprach Eulenspiegel an: \u00bbAch, lieber Meister, uns verlangt gar sehr, Eure Arbeit zu sehen. Wir begehren, mit Euch in den Saal zu gehen und Eure Gem\u00e4lde zu betrachten.\u00ab Eulenspiegel antwortete: \u00bbJa, gn\u00e4diger Herr, aber eins will ich Euer Gnaden sagen: wer mit Euer Gnaden geht und das Gem\u00e4lde beschaut und nicht ehelich geboren ist, der kann mein Gem\u00e4lde nicht sehen.\u00ab Der Landgraf sprach: \u00bbMeister, das w\u00e4re etwas Gro\u00dfes.\u00ab<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddem gingen sie in den Saal. Eulenspiegel hatte ein langes leinenes Tuch an die Wand gespannt, die er bemalen sollte. Das zog er ein wenig zur\u00fcck, zeigte mit einem wei\u00dfen Stab an die Wand und sprach also: \u00bbSeht, gn\u00e4diger Herr, dieser Mann, das ist der erste Landgraf von Hessen, ein Columneser aus Rom. Er hatte zur F\u00fcrstin und Frau eine Herzogin von Bayern, des reichen Justinians Tochter, der hernach Kaiser wurde. Seht, gn\u00e4diger Herr, von dem da wurde erzeugt Adolfus. Adolfus zeugte Wilhelm den Schwarzen. Wilhelm zeugte Ludwig den Frommen und also weiter bis auf Eure F\u00fcrstliche Gnaden. Ich wei\u00df f\u00fcrwahr, da\u00df niemand meine Arbeit tadeln kann, so kunstvoll und meisterlich ist sie und auch von so sch\u00f6nen Farben.\u00ab Der Landgraf sah nichts anderes als die wei\u00dfe Wand und dachte bei sich selbst: Und wenn ich ein Burenkind bin, ich sehe nichts anderes als eine wei\u00dfe Wand. Jedoch sprach er, um den Anstand zu wahren: \u00bbLieber Meister, uns gen\u00fcgt Eure Arbeit wohl. Doch haben wir nicht genug Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, um es richtig zu erkennen.\u00ab Und damit ging er aus dem Saal.<\/p>\n<p>Als der Landgraf zu der F\u00fcrstin kam, fragte sie ihn: \u00bbAch, gn\u00e4diger Herr, was malt denn Euer freier Maler? Ihr habt es gesehen, wie gef\u00e4llt Euch seine Arbeit? Ich habe wenig Vertrauen zu ihm, er sieht aus wie ein Schalk.\u00ab Der F\u00fcrst sprach: \u00bbLiebe Frau, mir gef\u00e4llt seine Arbeit durchaus und gen\u00fcgt mir.\u00ab \u00bbGn\u00e4diger Herr\u00ab, sagte sie, \u00bbd\u00fcrfen wir es nicht auch ansehen?\u00ab \u00bbJa, mit des Meisters Willen.\u00ab<\/p>\n<p>Die Landgr\u00e4fin lie\u00df Eulenspiegel zu sich kommen und begehrte auch, das Gem\u00e4lde zu sehen. Eulenspiegel sprach zu ihr wie zu dem F\u00fcrsten: wer nicht ehelich geboren sei, k\u00f6nne seine Arbeit nicht sehen. Da ging sie mit acht Jungfrauen und einer Hofn\u00e4rrin in den Saal. Eulenspiegel zog wieder das Tuch zur\u00fcck wie vorher und erz\u00e4hlte auch der Gr\u00e4fin die Herkunft der Landgrafen, ein St\u00fcck nach dem anderen. Aber die F\u00fcrstin und die Jungfrauen schwiegen alle still, niemand lobte oder tadelte das Gem\u00e4lde. Jede f\u00fcrchtete sich davor, vom Vater oder von der Mutter her unehelich zu sein. Schlie\u00dflich hob die N\u00e4rrin an und sprach: \u00bbLiebster Meister, ich sehe nichts von einem Gem\u00e4lde, und sollte ich all mein Lebtag ein Hurenkind sein.\u00ab Da dachte Eulenspiegel: das kann nicht gut werden; wenn die Toren die Wahrheit sagen, so mu\u00df ich wahrlich wandern. Und er zog die Worte ins L\u00e4cherliche.<\/p>\n<p>Indessen ging die F\u00fcrstin hinweg und wieder zu ihrem Herrn. Der fragte sie, wie ihr das Gem\u00e4lde gefallen habe. Sie antwortete ihm: \u00bbGn\u00e4diger Herr, es gef\u00e4llt mir ebenso wie Euer Gnaden. Aber unserer N\u00e4rrin gef\u00e4llt es gar nicht. Sie meint, sie s\u00e4he auch kein Gem\u00e4lde, desgleichen unsere Jungfrauen. Ich bef\u00fcrchte, es ist eine B\u00fcberei im Spiel.\u00ab Das ging dem F\u00fcrsten zu Herzen, und er bedachte, ob er nicht schon betrogen sei. Dennoch lie\u00df er Eulenspiegel sagen, er solle seine Sache vollenden, das ganze Hofgesinde solle seine Arbeit betrachten. Der F\u00fcrst meinte, er k\u00f6nne bei dieser Gelegenheit sehen, wer von seinen Rittersleuten ehelich oder unehelich sei. Die Lehen der Unehelichen seien ihm verfallen. Da ging Eulenspiegel zu seinen Gesellen und entlie\u00df sie. Er forderte noch hundert Gulden von dem Rentmeister, erhielt sie und ging auch davon.<\/p>\n<p>Des anderen Tags fragte der Landgraf nach seinem Maler, aber der war hinweg. Da ging der F\u00fcrst in den Saal mit allem seinem Hofgesinde, ob jemand etwas Gemaltes sehen k\u00f6nne. Aber niemand konnte sagen, da\u00df er etwas s\u00e4he. Und da sie alle schwiegen, sprach der Landgraf: \u00bbNun erkennen wir wohl, da\u00df wir betrogen sind. Mit Eulenspiegel habe ich mich nie befassen wollen, dennoch ist er zu uns gekommen. Die zweihundert Gulden wollen wir zwar verschmerzen. Er aber wird ein Schalk bleiben und mu\u00df darum unser F\u00fcrstentum meiden.\u00ab Also war Eulenspiegel aus Marburg fortgekommen und wollte sich k\u00fcnftig mit Malen nicht mehr befassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 27. Historie sagt, wie Eulenspiegel f\u00fcr den Landgrafen von Hessen malte und ihm weismachte, wer unehelich sei, k\u00f6nne das Bild nicht sehen. Abenteuerliche Dinge trieb Eulenspiegel im Lande Hessen. 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